Lerne Zeichner, werde Ingenieur

Profis kommen weiter: zum Beispiel Micaël Tille

Micaël Tilles Weg zum Doktortitel in Ingenieurwissenschaften begann mit einer beruflichen Grundbildung als Zeichner. Dass er die Praxis von der Pike auf kennt, macht ihn als Berater von Baufachleuten besonders glaubwürdig.

Lerne Zeichner, werde Ingenieur

Sie sind mit einer beruflichen Grundbildung als Zeichner ins Erwerbsleben gestartet. Wieso?
Viele meiner Verwandten und Bekannten waren im Bausektor tätig. So erhielt ich schon früh Einblick in diese faszinierende Welt. Zudem war Mathematik eines meiner Lieblingsfächer – ich brachte immer gute Noten nach Hause. Es war deshalb naheliegend, einen technischen Beruf in der Baubranche zu wählen. Die vielfältige Lehre als Zeichner gefiel mir: Sie verband Wissen aus dem Hoch- und Tiefbau. Für den Tiefbau hatte ich etwas mehr Herzblut – insbesondere, weil ich oft draussen im Gelände sein konnte.

Heute sind Sie Ingenieur. Was hat Sie bewogen, neue Wege zu gehen?
Das Lernen fiel mir schon während der Schule und Lehre leicht. Aufgrund meiner guten Noten besuchte ich während der Lehre den Ergänzungsunterricht (heute Berufsmaturitäts-unterricht) und erhielt damit Zugang zur Fachhochschule Freiburg. Dort liess ich mich zum Bauingenieur ausbilden. Danach führte mich mein Weg an die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne, wo ich ein Diplom in Hoch- und Tiefbau und später einen Doktortitel in Ingenieurwissenschaften erwarb. Ganz neue Wege bin ich also nicht gegangen: Der Branche bin ich bis heute treu. 

Welche Hürden mussten Sie auf Ihrem Bildungsweg überwinden?
Meine Vorgesetzten und meine Familie haben mich stets gefördert. Deshalb konnte ich meine Weiterbildungen berufsbegleitend absolvieren. Eine Herausforderung war sicher deren Finanzierung: Ich war 28, als ich die Ausbildungen abschloss. Und: An der Eidgenössischen Technischen Hochschule musste ich ab und zu um Anerkennung kämpfen. Da ich nicht den klassischen Weg via Matura und Primärstudium beschritten hatte, begegneten mir einige Akademiker zum Teil mit Skepsis.

Was haben Sie in der Grundbildung gelernt, das auch für Ihre heutige Tätigkeit unverzichtbar ist?
Es hat sich gelohnt, dass ich meine Aus- und Weiterbildungen Schritt für Schritt absolviert habe. Ich stehe deshalb fachlich auf einem soliden Fundament. Heute bin ich als technischer Berater bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) tätig. Dabei profitiere ich von meinem praktischen Wissen aus der Grundbildung, da ich oft mit Zeichnern und Ingenieuren zu tun habe. Dieser Praxisbezug ist ein Vorteil: Ich kann die Anliegen und Einwände meines Gegenübers besser nachvollziehen und einordnen. Es finden Gespräche auf Augenhöhe statt – in der Beratung ist dies ein Plus.

Weshalb lohnt sich Weiterbildung?
Die Arbeitswelt und insbesondere die Technik verändern sich laufend. Als ich in der Lehre war, haben wir zum Beispiel noch von Hand geschrieben. Heute geht ohne Computer nichts mehr. Es ist wichtig, dass man am Puls der Zeit bleibt und sich mit Weiterbildungen fit für den Arbeitsmarkt hält. Wissen lässt sich immer erweitern, und man sollte nie aufhören, neugierig zu sein.

Micaël Tille im Profil

Alter 47
Erstberuf Zeichner EFZ
Andere Abschlüsse Bauingenieur FH, Bauingenieur EPFL, Doktorat in Ingenieurwissenschaften EPFL
Aktuelle Tätigkeit Berater Verkehrstechnik
Arbeitgeber Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu)

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